Dr. med. Friedrich Wilcke:
Erste Begegnung mit dem Schwarzen Storch. (ciconia nigra)


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     Ich war damals schon fast 50 Jahre alt, als ich zum ersten Mal einen Schwarzstorch in seinem Brutrevier erblickte. Diese erste Begegnung verdankte ich Heinrich Koch, der ja ein großer Vogelfreund und -kenner war.
Er hatte mir den Vogel als einer Art Geistervogel geschildert, der mit seinen mächtigen schwarzen Schwingen mitten durch abgelegene Waldteile fliegt, oder aber so hoch am Himmel seine Bahn zöge,

daß die meisten Menschen ihn niemals zu sehen bekämen. Seine Schilderungen weckten in mir das Verlangen, diesen heimlichen Vogel unserer Wälder unbedingt kennen zu lernen. Und so fuhren wir beide schon am nächsten Sonntag zu dem Bruchwald, in dem der Schwarzstorch im Frühjahr 1958 wieder bezogen hatte. (...) Einen solchen Wald hatte mein Fuß bis dahin noch nicht betreten:

Der braunschwarze, stark durchfeuchtete Boden hatte mächtige Kiefern, gewaltige Fichten und starke Birken emporwachsen lassen- in ungeordneter Wildnis, so wie sie der Wind gesät haben mochte. Um überhaupt einen Fahrweg für die Holzabfuhr durch diesen Wald zu legen, hatte man zu beiden Seiten des Weges Gräben gezogen, die bis zum Rand mit Wasser gefüllt waren, obwohl es seit Tagen nicht geregnet hatte. In ihnen leuchtete das frische Grün der Wasserpflanzen, während der Wald selbst damals Anfang Mai erst spärlich frischen Austrieb zu präsentieren hatte. Dann überschritten wir zwei Waldbäche (...).

In solchen 3 - 4 m breiten und 20 bis 50 cm tiefen Beeken mit munter klarfließendem Wasser geht der Waldstorch gerne mitten im Wald auf Nahrungssuche. Er fliegt dann mit seinen mächtigen Schwingen ganz niedrig über der Wasserfläche zwischen den am Rande oft auf weiten Strecken stehenden Erlen, die eine Art Bogengang bilden, dahin, um dort einzufallen, wo ein reicher Bestand an Wasserpflanzen ihm reiche Beute zu machen verheißt. --

 Aber so sehr wir nun auch an diesem ersten Sonntag die Baumkronen absuchten, wir fanden den Horst nicht und sahen auch nicht einmal einen Schwarzstorch fliegen. Wir begegneten nur dem Jagdpächter, in dessem Revier der Horst gelegen war, der uns barsch anfuhr. Er hatte einen äußerst unschönen Kommandoton in dem tiefen Frieden seines Jagdreviers uns gegenüber angeschlagen und Heinrich Koch war so beeindruckt von der diktatorischen Befehlsgewalt dieses Mannes, daß er eigentlich diesen Wqld nie wieder betreten wollte. Aber ich war nicht so leicht zu entmutigen, mir gelang es, meinen Begleiter zu überreden und 8 Tage später befanden wir beide uns wieder in dem Wald, abermals auf der Suche nach dem Horst.

Diesmal kam uns ein glücklicher Zufall zu Hilfe. Wir waren erst einige hundert Meter in den Wald gegangen, als wir hinter uns plötzlich einen freundlich lächelnden jüngeren Mann erspähten, der, ebenso wie wir nur mit einem Jagdglas bewaffnet war, und dem wir instinktiv anmerkten, daß er wegen der gleichen ornithologischen Kostbarkeit in dem Wald war wie wir. Uns trennte nur ein großer Unterschied: Er wußte den Weg !

Fortsetzung folgt. Ebenso Schwarzstorchfotos.


 Stand: 04.Januar 2002 Schauen Sie bitte ab und zu herein, ich arbeite gerade an anderen Webseiten. 
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